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Das Wissen (SWR)
25 Jahre nach 9/11 – Die lange Spur des Islamismus in Deutschland
Fri, 11 Sep 2026 08:30:00 +0200 - Quelle: Beast-GPU-Whisper (https://swr-dl.ard-mcdn.de/swr/swrkultur/wissen/sendungen/wissen/25-jahre-nach-911-die-lange-spur-des-islamismus-in-deutschland.b78.t54.mp3)
Kurzfassung
Der ARD-Podcast beleuchtet 25 Jahre islamistische Radikalisierung in Deutschland – von den frühen Dschihadisten-Netzwerken der 90er Jahre über den Schock des 11. September 2001 bis zur IS-Ära und aktuellen Herausforderungen. Am Beispiel konkreter Biografien und mit Stimmen aus Sicherheitsbehörden, Islamwissenschaft und der muslimischen Community zeigt die Folge, wie sich Radikalisierungswege verändert haben: von Moschee-Hinterzimmern in die sozialen Medien, von charismatischen Predigern zu algorithmisch verstärkten Online-Blasen. Zugleich thematisiert sie die strukturelle Spannung zwischen staatlicher Überwachung und der Gefahr pauschaler Diskriminierung von Muslimen.
Wichtigste Punkte
- Vor 9/11: Jihadistische Netzwerke konnten in Deutschland weitgehend ungehindert operieren; Mitgliedschaft in ausländischen Terrororganisationen war erst ab 2002 strafbar
- Hamburger Zelle: Mehrere der Attentäter vom 11. September radikalisierten sich in Hamburg, galten äußerlich als unauffällige Studenten
- Freiburger Moschee: Der ägyptische Mediziner Yahya Yusuf baute dort ab den 90ern ein jihadistisches Netzwerk auf, dessen Nachwirkungen bis heute spürbar sind
- Sicherheitsarchitektur nach 9/11: Massiver Ausbau der Islamismus-Abteilungen beim Verfassungsschutz, Einstellung von Islamwissenschaftlern ab 2002, schwierige V-Mann-Gewinnung wegen kultureller und religiöser Barrieren
- Islamistisches Personenpotenzial heute: rund 28.645 Menschen laut Bundesamt für Verfassungsschutz, davon über 1.700 im terroristischen Bereich – lückenlose Überwachung laut BfV-Vizepräsident strukturell unmöglich
- IS-Zäsur 2013: Mehr als 1.000 Ausreisen aus Deutschland nach Syrien; IS veränderte die gesamte jihadistische Szene durch massenhafte Online-Rekrutierung
- CSD-Anschlag Berlin 2026: 21-jähriger Attentäter, schon mit 16 Salafist, der Sicherheitsbehörde bekannt – löste Debatte über erweiterte Befugnisse für den Verfassungsschutz aus
- Radikalisierung Minderjähriger: Zunehmend werden Jugendliche festgenommen, die Anschläge geplant haben sollen
- Salafistische Propaganda nutzt Diskriminierungserfahrungen: Laut Nationalem Diskriminierungsmonitor 2025 berichten 37 % muslimischer Frauen von Behördendiskriminierung; Salafisten instrumentalisieren das für Rekrutierung
- Deradikalisierung gewinnt als staatliche Strategie neben Repression an Bedeutung; Ausstiege sind gefährlich und langwierig
Genannte Personen/Positionen
- Marcel Kras – Islamkonvertit, ehemaliger Salafist und bekannter Prediger; schildert eigene Faszination für den Jihad und schrittweise Abkehr; laut aktuellem niedersächsischen Verfassungsschutzbericht weiterhin als prägender Akteur des politischen Salafismus geführt
- Guido Steinberg – Islamwissenschaftler, Stiftung Wissenschaft und Politik Berlin; analysiert Netzwerke und historische Entwicklung; betont IS-Zäsur 2013 als entscheidenden Wendepunkt
- Jens Koch – Vizepräsident Bundesamt für Verfassungsschutz; verteidigt Behördenarbeit gegen Pauschal-Verdachtsvorwurf, fordert mehr Handlungsspielraum in akuten Gefahrenlagen, befürwortet Deradikalisierungsprogramme
- Mitarbeiterin Bayerischer Verfassungsschutz (anonym, ~30 Jahre im Dienst) – schildert Aufbau der Islamismus-Abteilung nach 9/11 und Schwierigkeiten bei V-Mann-Rekrutierung
- Martin Heising – Bonner Rechtsanwalt, konvertierte 1997 zum Islam; vertritt Terrorverdächtige und versucht ideologische Einwirkung auf Mandanten; gegen ihn läuft ein verwaltungsrechtliches Verfahren wegen Facebook-Kontakten in die salafistische Szene; kritisiert strukturelle Diskriminierung von Muslimen durch Behörden
- Yahya Yusuf – ägyptischer Mediziner, Kopf der Freiburger Moschee in den 90ern/2000ern; aufgebaut als Schlüsselfigur früher jihadistischer Netzwerkbildung in Deutschland
- Abu Wallah – späterer IS-Rekrutierer, predigte in Hildesheimer Moschee; 2021 zu über zehn Jahren Haft verurteilt
- „Mia" (anonymisiert) – junge Muslima aus dem Nordkaukasus; schildert Online-Rekrutierung durch IS-nahe Strukturen, häusliche Gewalt in salafistischer Ehe, erzwungene Scharia-Schlichtung; inzwischen in Ausstiegsprozess